Kritik und Analyse von der Künstlerin, Galeristin und Kunstkritikerin Karin Antoniucci-Hentschke

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Karin Antoniucci-Hentschke
24. Juni 2017, Ausstellung Mino im Sihldruck, Zürich

Wir freuen uns, dass Sie alle den Weg hierher gefunden haben und sich mitten im „normalen“ Alltag auf eine kleine Kunstreise begeben. Minos Bilder werden Sie begleiten und meine kleine Einführung Sie vielleicht ein wenig tiefer in die „Seelen“ der Bilder blicken lassen.

Eigentlich habe ich Mino erst vor Kurzem kennengelernt, aber dieses Erlebnis war so intensiv, spannend, tiefgründig, Neugier weckend und – einfach super. Ich bin dankbar für diese Begegnung, genauso wie für die Möglichkeit, Mino’s Werke ebenfalls aktuell in meiner Galerie in Aarau ausstellen zu dürfen.

Seine Themen sind so vielfältig wie seine Bilder. Von Betrachtungen über das Leben, philosophischen Umsetzungen von Themen wie Schöpfung, Lebenskraft, über Beobachtungen und Kontemplation vielfältigster Art bis hin zu seinen Lieblings-Sujets: Die Impressionen von seinen unzähligen Reisen in ferne Länder.

Unglaublich wie vielfältig und vielschichtig Mino in seinen Bildern erzählt. Lebendig, voller Energie und Lebensfreude nur so sprühend sind diese – innovativ, eigenständig und originell – so etwas wie ein moderner „Mino-Expressionismus“, würde ich sagen. Ausgeführt in seiner legendären Öl-Spachtel-Technik realisiert er Welten, Tiefen und Weiten, die keinen Betrachter unbeeindruckt lassen.

Das Thema der aktuellen Ausstellung heisst „Kraft“, und ich könnte mir keine bessere Bezeichnung vorstellen für diese Werke, die unter anderem Titel wie: „Feuerball“, „Tropfen der Energie“, „Sonnensturm“, „Kraftbaum“ und „Urknall“ tragen, um nur einige zu nennen. Hier drückt der Künstler Überlebenswille, Überlebenskraft, Urinstinkt aus und versinnbildlicht, wie er seine Wurzeln vertieft, um sich weiter zu entwickeln und in seiner Suche nie aufzugeben.

Viele seiner Bilder sind in Dreiecksform gehalten, was ziemlich ungewöhnlich ist in der Kunstwelt, aber Mino’s Aussagen und die tiefere Symbolik noch verstärkt klingen lassen. Das Dreieck besitzt eine ganz eigene Energie, in der seine dreiseitige Einheit Gleichrangigkeit von Körper, Geist und Seele versinnbildlicht. Im Christentum symbolisiert sich diese durch die heilige Dreifaltigkeit. In allen Kulturen und Religionen finden wir diese Form.

Alle Dreiecksformen besitzen eine Balance, in der sich Dynamik und Statik auf subtile Weise die Waage halten. Ein Dreieck, dessen Spitze nach oben weist, setzt seine Dynamik nach aussen frei. Diese spannungsgeladene Form wird als „männliches“ Dreieck bezeichnet, während das „weibliche“ Dreieck mit der Spitze nach unten, zur Erde weisend, seine Dynamik in den Bereich der Körpersphäre entlässt und seit alters her das Wasser und die weibliche Geschlechtskraft symbolisiert.

Womit wir bei Minos zweitem Thema angekommen sind: Den „Symbiosen“. Hier finden sich zwei Dreiecke in harmonischem Zusammensein, also die beiden Prinzipien „gespiegelt“. Mino beschriebt dies selbst folgendermassen: „Der Sinn des Lebens ist die Selbsterkenntnis. Um sich zu erkennen braucht es eine Spiegelung seiner selbst. In einer Partnerschaft gibt uns das Gegenüber diese Möglichkeit, wenn man bereit ist, es zuzulassen“. Was für eine wunderschönes Yin und Yang!

Diese Ausstellung ist nicht nur eine Weltreise, sie ist auch eine Reise in den Kosmos und vor allem eine spannende Reise ins Innere des Menschen. Geniessen Sie alle diese Schwingungen, die grossartigen Farben, gehen Sie mit Leib und Seele in diese Bilder-Geschichten hinein und haben Sie Freude daran.