Mit meiner Tochter verbrachte ich eine Weile in diesem Land. Eine Reise in den Nationalpark Jebils werden wir jedoch nie vergessen. Wir durchquerten den einen Teil dieser unendlichen Wüste. Sie blendete uns, wir rochen sie, wir hörten ihr zu, ja wir assen sie. Immer unzählige Sandkörner in Mund. Gegen Sonnenuntergang erreichten wir endlich die ersehnte Oase. Ähnlich einer Fata Morgana erschien sie plötzlich vor uns. Eingebettet in einer kleinen Senke glitzerte sie uns entgegen. Wie ein geschliffener Smaragd leuchtete sie saftig grün. Hier kreuzen sich die Handelsrouten, tauscht, lässt sich nieder, trinkt und wäscht man sich im klaren erfrischenden Quellwasser mitten in der Wüste. Idyllisch, exotisch und friedlich.
Friedlich? Doch nicht an diesem Abend. Urplötzlich spürte ich, wie ein Unbehagen bei den Berbern auftauchte. Ich hatte noch keine Erklärung im Moment. Doch eben diese Erklärung sah im nächsten Augenblick. Sie war dunkel, mächtig und überwältigend. Sie wirkt schwarz und schwärzer. Ein Sandsturm trieb in hoher Geschwindigkeit auf uns zu. Die Leute versuchten noch schnellstens die Zelte zu befestigen und die unaufhörlich brüllenden Kamele einzufangen. In kürzester Zeit entstand ein riesiges Durcheinander. Ein Hirte kam zu uns, und mit verständlicher Gestik gab er zu verstehen, dass wir im folgen sollten. Er führte uns zum einzigen Gebäude, dass aus festen Lehm gebaut war. Sehr schnell befanden sich alle hier, und die Türen und Fenster wurden eilends geschlossen. Wir konnten kaum noch atmen. Man hörte den Wind heulen, und in der scheinbar sicheren Zuflucht sahen wir den Sand förmlich anwachsen und durch die feinen Ritzen dringen. Ich hatte nur einen Gedanken, wie schütze ich meine Tochter? Es folgten zwei lange Stunden des Hoffens und Ausharrens, bis das Pfeifen des Windes leiser wurde. Man öffnete eine Luke und wir stiegen alle hinaus. Jetzt donnerte und blitzte es und es fing an sehr heftig zu regnen an. Der Sand legte sich und endlich konnte man wieder richtig Atmen. Die Berber tanzten vor Freude und schrieen: „Allah akbar, Allah akbar“ doch um uns herum ein Bild der Zerstörung. Als hätte eine Bombe eingeschlagen. Geköpfte Palmen, zerrissene und weggeblasene Zelte, zerschlagene Töpfe. Noch etwa eine Stunde sollte der Regen niederprasseln, danach Ruhe. Mit meiner Tochter in den Armen lauschten wir ihr. So ein paradox… „die Ruhe hören“, doch in dieser Nacht gelang es uns wirklich – wir hörten sie.